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Leadership

Führung im
homeoffice

Seit dem 28. Januar 2021 an müssen Arbeitgeber Homeoffice ermöglichen, wenn betriebliche Belange nicht dagegen sprechen. Wer diesen Schritt noch nicht gewagt hat, sollte neben Technik und Datensicherheit, die psychologischen Aspekte nicht aus den Augen verlieren.

Um langfristig ein positives Arbeitserleben im Homeoffice und damit gute Ergebnisse zu haben, müssen die drei universellen psychologischen Grundbedürfnisse aufrechterhalten werden: soziale Eingebundenheit, Kompetenzerleben und Autonomie. Um diese Grundbedürfnisse in dem Setting Homeoffice zu erfüllen, können Führungskräfte folgende Formate für ihre “remote” Führung nutzen.

Eine besondere Herausforderung im Homeoffice – und unter COVID-Bedingungen im Speziellen – stellt das Bedürfnisses nach sozialer Zugehörigkeit dar. Dazu gehören Angebote an das Team, sich formell und informell auszutauschen. Aus der agilen Arbeitswelt ist das “Daily” bekannt. In (wirklich nur) 15 Minuten zu Beginn des Arbeitstages tauschen sich die Teammitglieder darüber aus, was an diesem Tag ansteht. So ist jeder im Bilde was bei den anderen auf der Agenda steht bzw. wo es auch gerade nicht so gut läuft. Auch ein “virtueller Kaffee” ist möglich oder das “Feierabendbier”. Informelle Treffen sollten aber keine Pflicht sein – sondern ein Angebot. Falls ein Teammitglied nie erscheint, einfach mal zum Telefon greifen und wohlwollend nachfragen, wie es grundsätzlich läuft.   

Das zweite Grundbedürfnisse “Kompetenzerleben”, bedeutet, dass wir wahrnehmen, wie wir mit unseren Fähigkeiten dazu beitragen, die Herausforderungen des Jobs zu meistern. Wenn Menschen sich als kompetent erleben, erfahren sie Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit wiederum ist ein Konzept, dass entscheidend für die Arbeit im Homeoffice ist. Es bildet die Basis für eine erfolgreiche Selbstorganisation und -motivation.

Das Erleben der eigenen Kompetenz kann durch das Arbeiten im Homeoffice deutlich beschnitten sein. Hierzu gehört einerseits, selbst die eigene Kompetenz positiv wahrzunehmen, aber ebenso auch die Möglichkeit, die eigene Kompetenz und Leistung zu zeigen und dafür auch Rückmeldung und Anerkennung zu bekommen. In Abhängigkeit davon, wie diese Kommunikationsprozesse im analogen Arbeitsalltag organisiert waren, müssen nun teilweise komplett neue Prozesse aufgesetzt werden. 

Oft wurde die Rückmeldung bisher fast schon „nebenbei“ in kurzen Gesprächen auf dem Flur gegeben. Da dies nun wegfällt, müssen neue „Gelegenheiten“ geplant und umgesetzt werden. Erste Tendenzen zeigen, dass sich dabei introvertierte Führungskräfte teilweise leichter tun. Dieses Phänomen könnte dadurch erklärt werden, dass diese Personen schon zuvor ihre sozialen Kontakte mehr geplant haben, wohin gegen Extrovertierte die zufälligen Begegnungen spontan genutzt haben. Grundsätzlich gilt: Geben Sie Ihren Mitarbeiter*innen ausreichend Möglichkeiten sich und ihre Leistung zu kommunizieren und zu präsentieren.

Ebenso entscheidend ist eine passende Wahl der Kommunikationsmedien. Nicht nur aus datenschutzrechtlichen Gründen ist es schwierig Mitarbeiter*innen zu Hause zu jeder Uhrzeit vor die Kamera “zu zwingen”, sondern auch die persönlichen Vorlieben und Gegebenheiten müssen dabei berücksichtigt werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Rahmenbedingungen für Kommunikationskanäle und Prozesse neu auszuhandeln, so dass individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden, ohne die Leistungsfähigkeit des Teams zu gefährden. 

Und zu guter Letzt: Selbstbestimmt zu handeln, also Autonomie zu erleben, führt zu der erforderlichen Motivation, die Dinges des Jobs und des Alltags zu bewältigen. Fehlende Regeln und Dauererreichbarkeit können schnell das Gefühl von Grenzüberschreitung mit sich bringen, was zu Stress führen kann. Der Zusammenhang zwischen Autonomieverlust und Stress ist gut belegt und damit wichtig für die Burnout Prävention im eigenen Team. Entsprechende Gestaltungsspielräume zu ermöglichen, ist hier der beste Weg.  

Die wohl größte Herausforderung stellt für alle Beteiligten das Thema Vertrauen dar. Hat die Misstrauenskultur schon im Präsenzbetrieb vorgeherrscht, wird diese mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Homeoffice weitergeführt. Kurzfristig können regelmäßige Reflexionsrunden im Team und eine aktive Feedbackkultur die Basis für ein gemeinsames Wachsen als Team im Homeoffice schaffen.

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